Finanzen & Wirtschaft

Türkei: Erdogans staatlich gelenkter Elektroboom und die Rolle von Tesla

Die Türkei treibt mit Steuervorteilen, Staatslenkung und dem heimischen Hersteller Togg den Aufbau einer eigenen E-Auto-Industrie voran. Internationale Konzerne wie Tesla profitieren zeitweise von den Bedingungen.
29. März 2026Michael Rutt2 Min. Lesezeit

Die Türkei entwickelt sich vom reinen Produktionsstandort westlicher Autokonzerne zum selbstbewussten Akteur in der Elektromobilität. Mit massiven Steuervorteilen, gezielter Staatslenkung und dem heimischen Hersteller Togg treibt Präsident Recep Tayyip Erdogan die Transformation der heimischen Autoindustrie voran – ein Modell, das auch internationale Konzerne wie Tesla zeitweise zu nutzen wissen.

Die türkische Regierung hat den Aufbau einer eigenen E-Auto-Industrie strategisch geplant und finanziell flankiert. Wer Elektrofahrzeuge herstellt oder kauft, profitiert von Steuererleichterungen und Subventionen. Das Flaggschiff dieser Politik ist Togg, die staatlich geförderte heimische Marke, die ihre ersten Modelle auf den Markt gebracht hat und den Anspruch erhebt, die türkische Autoindustrie zu modernisieren. Gleichzeitig bleibt das Land aber attraktiv für ausländische Investoren: Die Nähe zu europäischen Absatzmärkten, günstige Produktionskosten und ein qualifizierter Arbeitsmarkt locken weiterhin globale Player an.

Tesla nutzte diese Bedingungen zwischenzeitlich für seine eigene Strategie. Der US-Konzern erhielt Zollvorteile für Fahrzeuge, die in der Türkei montiert wurden, bevor er die Produktion nach Deutschland verlagerte. Diese Episode illustriert die doppelte Rolle der Türkei: Sie ist weiterhin Werkbank für internationale Konzerne, strebt aber zunehmend technologische Eigenständigkeit an. Die Abhängigkeit von ausländischen Batteriezellen und Halbleitern bleibt dabei eine strategische Schwachstelle.

Ankaras Elektromobilitätspolitik ist Teil einer breiteren wirtschaftsstrategischen Neuausrichtung. Die Regierung will die Türkei als unabhängigen industriellen Mittelstand zwischen Europa und Asien positionieren – mit allen Risiken, die staatlich gelenkte Industriepolitik mit sich bringt. Ob der geplante Boom nachhaltig ist, hängt davon ab, ob die heimische Industrie tatsächlich Wertschöpfungsketten erobern kann oder im Modus der Montagewerkbank verharrt.

Quelle: Handelsblatt