Finanzen & Wirtschaft

SAP-Aktie: Nach 50 Prozent Kursverlust – wie attraktiv ist der IT-Konzern wirklich?

Die SAP-Aktie hat rund 50 Prozent ihres Wertes verloren, obwohl die Geschäftszahlen solide sind. Ein Blick auf die Bewertungskennzahlen zeigt, wo Chancen und Risiken für Anleger liegen.
29. März 2026Michael Rutt2 Min. Lesezeit

Die Aktie des deutschen Softwarekonzerns SAP hat in den vergangenen Monaten rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Doch trotz der dramatischen Kurskorrektur zeigen die Geschäftszahlen des Walldorfer Unternehmens ein anderes Bild: Der Umsatz wächst, die Cloud-Einnahmen steigen zweistellig, und die Profitabilität hat sich verbessert. Diese Divergenz zwischen operativer Entwicklung und Börsenbewertung wirft die Frage auf, ob die Aktie nun zu einem Schnäppchen geworden ist – oder ob fundamentale Risiken den Abwärtstrend rechtfertigen.

Ein Blick auf die Bewertungskennzahlen liefert ein differenziertes Bild. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hat sich deutlich entspannt: Lag es noch vor einem Jahr bei über 30, notiert die Aktie mittlerweile bei einem KGV von etwa 15, bezogen auf die erwarteten Gewinne für das laufende Jahr. Gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von rund 4,5 rangiert SAP damit zwar unter den teuersten DAX-Werten, aber deutlich unter den Bewertungen amerikanischer Cloud-Riesen wie Salesforce oder ServiceNow. Für Value-Investoren dürfte diese relative Verbesserung der Bewertungsgrundlage von Interesse sein.

Allerdings birgt der Abwärtstrend auch Warnsignale. Die Aktie hat wichtige technische Unterstützungslinien durchbrochen, und institutionelle Anleger haben zuletzt vermehrt Kapital abgezogen. Die Zinswende in den USA und Europa belastet als Nebenwertung growth-orientierte Technologietitel überdurchschnittlich. Zudem zeigt die Entwicklung bei der operativen Marge, dass der Umbau zum Cloud-Unternehmen weiterhin Kosten verursacht – die prognostizierte Steigerung auf 32 Prozent bis 2027 erscheint ambitioniert. Analysten sehen das Kursziel daher divergent: Während Goldman Sachs zu «Buy» rät, haben andere Häuser ihre Empfehlungen auf «Hold» zurückgestuft.

Für Anleger ergibt sich ein klassisches Dilemma zwischen kurzfristigem Momentum und langfristigem Potenzial. Die SAP-Aktie mag auf historischer Betrachtung günstiger erscheinen als noch vor zwölf Monaten – ob sie jedoch wirklich günstig ist, hängt vom Vertrauen in die Cloud-Strategie und der Fähigkeit des Managements ab, die versprochene Profitabilität zu liefern. Wer hier investiert, setzt auf einen Turnaround, der sich erst in den kommenden Quartalen beweisen muss.

Quelle: Handelsblatt