Finanzen & Wirtschaft

Haushaltsstreit in den USA: Wenn der Staat stillsteht – auch am Flughafen

Ein deutscher Korrespondent verbringt die Nacht am Flughafen Houston – der Shutdown als Vorgeschmack auf die Fussball-WM 2026.
29. März 2026Michael Rutt2 Min. Lesezeit

Der Shutdown als Reiseerlebnis: Als der US-Kongress sich am Wochenende erneut nicht auf einen Haushalt einigen konnte, wurde der deutsche Korrespondent zum ungewollten Zeitzeugen einer amerikanischen Dysfunktion. Statt in ein Hotel zu fahren, musste er die Nacht am Flughafen von Houston verbringen – ein konkretes Beispiel dafür, wie politische Blockaden im Washingtoner Kapitol unmittelbar im Alltag der Bürger und Besucher ankommen.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf ein strukturelles Problem, das weit über Einzelfälle hinausgeht. Die USA steuern auf ihre vierte Haushaltssperre innerhalb eines Jahrzehnts zu, ein Muster, das in anderen westlichen Demokratien nahezu undenkbar wäre. Die Ursache liegt in der tiefen Polarisierung zwischen Republikanern und Demokraten, die selbst existenzielle Fragen der Staatsfinanzierung zu Geiseln eines parteipolitischen Taktierens macht. Dabei sind die Folgen keineswegs abstrakt: geschlossene Nationalparks, ausgesetzte Behördendienste, verzögerte Passausstellungen – und eben auch überfüllte Flughafen, wenn der öffentliche Sektor seine regulären Betriebszeiten nicht mehr garantieren kann.

Für die internationale Wahrnehmung der Vereinigten Staaten kommt die Unzuverlässigkeit zur Unzeit. 2026 finden in Nordamerika die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaften statt, ein Grossereignis, bei dem Millionen von Besuchern auf funktionierende Infrastruktur angewiesen sein werden. Die Planungssicherheit, die Gastgeberländer üblicherweise auszeichnet, ist in den USA zunehmend fragil. Touristen, die sich auf die amerikanische Effizienz verlassen, könnten unangenehm überrascht werden – nicht durch Naturkatastrophen oder äussere Bedrohungen, sondern durch selbstverschuldete politische Lahmung.

Die Episode am Houstoner Flughafen ist symptomatisch für eine Demokratie, die ihre institutionellen Selbsthemmungen zur Selbstblockade entwickelt hat. Solange Haushaltsverhandlungen als Ultima-Ratio-Poker geführt werden, bleibt der amerikanische Staat für seine Bürger und Gäste unberechenbar. Die Frage ist nicht, ob es erneut zu einer Sperre kommt, sondern wann – und wer dann die Rechnung zahlt.

Quelle: Handelsblatt